Artikel mit Tag stadt
Politik ohne Weitblick – in Konstanz regiert der Trotz
Mittwoch, 12. Mai 2010
Pressemitteilung Nr. 10
10.05.2010
Vor wenigen Wochen erlebte Konstanz einen kostspieligen Werbefeldzug für den Bau eines Konzerthauses auf Klein-Venedig. Diese Kampagne für das 60 Millionen Euro Projekt auf Klein-Venedig gipfelte in einer Erklärung der Protagonisten dieses Projekts im Gemeinderat, deren zentrale Botschaft wir hier nochmals im Wortlaut zitieren:
„Die Stadt kann ohne Kahlschläge an anderer Stelle und ohne Steuererhöhung das zukunftswichtige Projekt stemmen.
Für die Fraktionen CDU, FWG, FDP, Mitglieder der FGL, NLK Alexander Fecker, Dr. Ewald Weisschedel, Dr. Heinrich Everke, Dr. Jacobs-Krahnen, Jürgen Wiedemann“
Diese Gemeinderatsmitglieder (zum Teil Mitglieder im Finanzausschuss) agierten entweder ohne Kenntnisse der Konstanzer Finanzplanung oder behaupteten vorsätzlich die Unwahrheit.
Die Fakten haben sich seit dem Bürgerentscheid nicht geändert:
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Die mittelfristige Finanzplanung war und ist nicht genehmigungsfähig.
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Die absehbaren Zuschüsse für das KKH waren nicht eingearbeitet.
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Die Gefahr von sinkenden Gewerbesteuereinnahmen war durch die starke Abhängigkeit von einem Zahler absehbar.
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Mindereinnahmen aus Steuern und Zuweisungen waren absehbar.
Wenig überraschend stellte das Regierungspräsidium vier Tage nach dem Bürgerentscheid fest, dass die Konstanzer Finanzplanung nicht genehmigungsfähig sei. Wenige Wochen später erlässt der Oberbürgermeister ohne Rücksprache mit den Fraktionen eine Haushaltssperre. Wohlgemerkt derselbe OB, der auch vor dem Bürgerentscheid im Amt war und vor kurzem noch behauptete, das KKH könne man sich leisten.
Die oben genannten Personen hatten von der landesweiten Initiative „Mehr Demokratie e.V.“ nach dem Übergehen des Mehrheitswillens des Bürgerentscheids von 2003 bereits die „Demokratiegurke des Jahres“ erhalten. Sie haben in ihren Ämtern und Funktionen überdauert. Nicht nachvollziehbar haben sie jetzt den Antrag in den Gemeinderat eingebracht, entgegen den Forderungen der Sieger des Bürgerentscheids, das Bebauungsplanverfahren für Klein-Venedig nicht aufzuheben. Der Bebauungsplan soll ruhen, bis ein Meinungsforschungsinstitut die Gründe für die Ablehnung des Baus auf Klein-Venedig erforscht hat. Ein absurdes Spiel, da die Gegner klar gesagt haben, was gegen den Standort spricht. Für das trotzige Weiterplanen nach dem Bürgerentscheid von 2003 wurde bereits genug Geld verschwendet. Oder soll der Versuch übernommen werden, über juristische Spritzfindigkeiten Teile des bestehenden Projekts (vielleicht nur eine Konzerthalle oder nur ein Parkhaus?) gegen den Willen der Bevölkerung dennoch auf Klein-Venedig zu realisieren? Welchen triftigen Grund kann es nach dem Bürgerentscheid noch geben, an dem bestehenden Bebauungsplan auf Klein-Venedig festzuhalten?
Oder spielen Gründe jetzt gar keine Rolle mehr? Ist der Antrag nur psychologisch verständlich: als Versuch der Ratsmehrheit, sich die Niederlage noch nicht so schnell eingestehen zu müssen? Wir befürchten nun, dass OB und Gemeinderatsmehrheit in Ihrem offensichtlichen Frust über die Niederlage weiter eine irrationale Politik gegen die Interessen der Mehrheit der Bevölkerung verfolgen. Eine Einsicht in die verfehlten Planungen der Vergangenheit ist nach der aktuellen Sitzung des Finanzausschusses jedenfalls nicht absehbar.
Die Aktiven der Initiative „Nein zu Klein-Venedig“ haben als weiteren Schritt für mehr Transparenz in der Konstanzer Kommunalpolitik und zur besseren Vernetzung eine Internetplattform „Das gläserne Rathaus“ eingerichtet (in Anlehnung an das Versprechen von OB Frank in seinem Wahlkampf von 1996), als Archiv für wichtige aber der Öffentlichkeit in ihrer Brisanz vorenthaltene Dokumente. Dabei setzen wir auf öffentliche Unterstützung und den bereits jetzt teilweise funktionierenden Informationsfluss aus den aufmerksamen Teilen von Gemeinderat und Stadtverwaltung, die sich mit Hinweisen und der Beschaffung von Dokumenten an der Plattform beteiligen können. Wir hoffen, damit einen öffentlichen Druck des Faktischen zu erreichen, der in Konstanz ein finanzpolitisches Abgleiten in griechische Verhältnisse verhindert.
Im Augenblick findet sich die Rubrik „Das gläserne Rathaus“ noch als Unterpunkt auf den Seiten der Initiative „Nein zu Klein-Venedig“, hier steht bereits jetzt die ausführliche Begründung der Stadtverwaltung gegen die LAGO-Parkhauserweiterung aus dem Jahre 2005 zum Download bereit, genauso wie die brisanten Gutachten aus der Stadtverwaltung zur Verkehrssituation in der Bodanstraße, das ausführliche Verkehrsgutachten von Prof. Zweibrücken, sowie die Gutachten (noch immer sehr aktuell: Altlasten und Luftschadstoffe) zu Klein-Venedig. Nach den guten Erfahrungen mit der Argumentationskraft städtischer Untersuchungen beim Bürgerentscheid wollen wir die Kernpunkte aus bestehenden Untersuchungen und Stellungnahmen bei anstehenden Gemeinderatsentscheidungen über die Veröffentlichung und Verbreitung ihrer Kernaussagen in die öffentliche Diskussion einbringen.
Grundlagen eines rechtsrheinischen Konzerthauses
Sonntag, 11. April 2010
Pressemitteilung Nr. 9
11.04.2010
Initiative konkretisiert und beschließt Vorschläge zur Finanzierung, zu Standortalternativen und Formen der Bürgerbeteiligung als Grundlage für die Planung eines Konzerthauses.Perspektiven für eine Sanierung und stadtverträgliche Entwicklung von Klein-Venedig. Fragen nach dem städtischen Kulturkonzept, speziell das Selbstverständnis der Philharmonie nach der Brüskierung von Paul Amrod.
Am Mittwoch, den 14. April 2010 trifft sich die Initiative "Nein zu Klein-Venedig" im Hotel Barbarossa (Obermarkt) um 19.30 Uhr zu einem öffentlichen Arbeitstreffen, zu dem die Medien und alle Interessierten herzlich eingeladen sind.
Sowohl OB Horst Frank als auch BM Claus Boldt haben in den letzten Tagen ihr Interesse an den Vorschlägen der Initiative bekundet: "... freue mich schon jetzt über die angekündigten Angebote und Vorschläge" (Horst Frank in E1NS) – "Ich würde mich freuen, wenn Sie bzw. Ihre Initiative der Verwaltung Vorschläge unterbreiten würden, ..." (Claus Boldt in einem Schreiben an den Sprecher der Initiative Günther Schäfer). Damit scheint nun in der Verwaltung die Enttäuschung über das Bürgervotum abgeflaut zu sein und erste Bereitschaft zu entstehen, sich ernsthaft mit den Vorschlägen der Initiative auseinanderzusetzen.
Während der Osterferien haben die SprecherInnen der Initiative ihre bereits am Abstimmungsabend vorgelegten Vorschläge weiter konkretisiert und werden diese nach öffentlicher Diskussion der Stadtverwaltung und den Gemeinderatsfraktionen vorlegen.
Ein besonderer Schwerpunkt wird dabei auf dem Thema Finanzierung liegen, da das Regierungspräsidium in seiner Stellungnahme zum Nachtragshaushalt der Stadt Konstanz vom 24.3.2010 bereits angekündigt hat, dass die vom Gemeinderat beschlossene Schuldensteigerung für die Jahre 2011 folgende auf das 2,5-fache des aktuellen Niveaus nicht genehmigungsfähig sei.
Desweiteren werden an diesem Abend folgende Themen besprochen:
- notwendige Sanierungsmaßnahmen der Deponie auf Klein-Venedig
- künftige Nutzungs- und Entwicklungspotentiale der Fest- und Freifläche
- regionale und grenzüberschreitende Kooperationen (mit Kreuzlingen, Singen, Friedrichshafen u.a.)
- Nutzung und Vermarktung der vorhandenen Säle und Hallen (nicht nur des Konzilsgebäudes)
- rechtsrheinische Standorte für ein Konzerthaus
- der Umgang der Philharmonie mit dem Musiker Paul Amrod
Zur Genehmigungsfähigkeit von Rücklagen siehe auch § 24 (Haushaltsausgleich) und § 25 (Deckung von Fehlbeträgen des Jahresabschlusses und aus Vorjahren) der Verordnung des Innenministeriums über die Haushaltswirtschaft der Gemeinden (Gemeindehaushaltsverordnung – GemHVO) des Landes Baden-Württemberg

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